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Omas Paradies

16. März 2017

Omas Lebenslauf

Dieses Mal möchte ich etwas Wundervolles mit Euch teilen, auf das ich unlängst beim Stöbern in Omas Paradies gestoßen bin. Niemand wusste davon, obwohl es nur eine Schublade und ein Tascherl von uns entfernt war, und umso bewegender war dieser Fund für mich. Es war nur ein unscheinbares, klein gefaltetes Blatt Papier, das sich nach dem Öffnen als ein Schatz entpuppte.

„Lebenslauf“ stand darauf, und leider weiß niemand, wieso sich Oma am 17.2.1999 hingesetzt hat, um fein säuberlich einen Lebenslauf zu schreiben. Es muss wohl einer dieser Momente gewesen sein, wie wir sie alle kennen; für einen Job wollte sie sich damals im Alter von 73 Jahren jedenfalls sicher nicht bewerben. Also habe ich neugierig zu lesen begonnen…

„Ich, Johanna Marko geb. Trunkl, wir waren fünf Geschwister, Schwester Sophie geb. 4.11.1912 gest. 28.4.1998, Bruder Franz geb. 29.1.1914 gest. 23.6.1968, Bruder Ferdinand geb. 28.4.1920 gest. 10.9.1944 im Krieg mit 24 Jahren sein Leben geopfert, Schwester Maria geb. 25.12.1921. Ich Johanna bin am 4.2.1926 in Straß No. 75 geboren, getauft in der Pfarrkirche St. Veit. a.V.

Dann bin ich bei meinen Eltern Franz u. Antonia Trunkl in Wielitsch No. 31 Gemeinde Berghausen groß gezogen, wo ich dann die Volksschule in Ehrenhausen besuchte. Nach Beendigung der Schule war ich auf dem landwirtschaftlichen Besitz bei meinen Eltern tätig. Im Jahr 1943 wurde ich zum Reichsarbeitsdienst nach Kärnten eingezogen. Im April 1944 kam ich wieder nach Hause zu meinen Eltern, wo ich dann verblieb und in der Landwirtschaft arbeitete.

1947 bekam ich meinen Sohn Walter Trunkl, der auch bei mir zuhause war. 1951 habe ich meinen Mann Alois Marko geheiratet, er war Straßenwärter auf der Platcher Straße. 1952 bekamen wir noch eine Tochter Hermine. 1959 verstarb mein Vater Franz Trunkl, wo ich dann den Hälftebesitz samt meinem Mann übernahm. Und die zweite Hälfte hatte noch meine Mutter. 1973 verstarb auch die Mutter und somit hatten wir dann den gesamten Besitz zum bewirtschaften.

Leider starb auch 1977 mein Mann, wo ich seither Witwe bin. 1993 hat nochmals das Schicksal zugeschlagen, und starb mein lieber Sohn Walter mit 46 Jahren, wo ich noch immer nicht glauben kann, dass das wahr sein soll. Und so habe ich jetzt nur eine Tochter und Enkelkinder, zwei Enkel von meinem Sohn Walter, drei Enkel von meiner Tochter Hermi.

Ich bin jetzt 73 Jahre alt, arbeite bis jetzt, soweit es mir der liebe Gott an Gesundheit und Kraft schenkt, noch immer in der Landwirtschaft, besonders im Weingarten, sowie mit Hilfe von Tochter und Schwiegersohn.

Ich glaube und hoffe, dass der liebe Gott mir noch Gesundheit und Kraft schenkt, um noch länger gesund zu bleiben für meine Lieben.“

 

Thomas Fraiss

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